
FRANKENSTEIN'S BLOODY NIGHTMARE, USA 2006,
Regie: John R. Hand
Farbenprächtige Super 8 Bilder treffen auf digitale Farbverfremdungen während seltsame elektronische Klänge aus den Boxen wabern... John R. Hands Debutfilm FRANKENSTEIN'S BLOODY NIGHTMARE ist, gelinde gesagt, erstaunlich. Mit sicherer Hand inszeniert, wird man an die Zeit erinnert, als man erstmalig faszinierend außerirdische Werke wie DER ANDALUSISCHE HUND, ERASERHEAD oder EL TOPO sah, Filme, die sich jeglichem Zuschauergeschmack entzogen und mit ihrer Traumlogik und den gewaltigen Bildwelten mit der Zeit eine treue Fangemeinde um sich scharten.
FRANKENSTEIN hat nicht die schiere Brillanz dieser Klassiker, läßt einen aber jede Sekunde daran denken, daß der menschliche Geist frei ist, und erst wirklich erblüht, wenn er keinerlei Konventionen unterworfen ist. John R. Hand (Regie, Hauptdarsteller, Schnitt, etc.!) nutzt diverse Formate um seine Alptraumwelt zu erschaffen und schafft es, eine fast perfekte No Budget- Huldigung an das Midnight Movie der Siebziger Jahre zu entwerfen: Seltsame Bildausschnitte, zerfliessende Fotos, Bava-eske Farbfilterexplosionen, Solarisierungseffekte, verzerrte Stimmen, seltsame Synchronisation- einfache, in der Wirkung aber äußerst effektive Tricks, die den Film zu einem echten Trip werden lassen. Nach eigener Aussage inspiriert von dem körnigen Look der Filme Jess Francos, kommen einem noch andere mögliche Inspirationsquellen in den Sinn, man denke an Roger Cormans psychedelischen THE TRIP (1968), George Lucas Kurzfilmversion von THX 1138 (1967) oder die Werke Guy Maddins, besonders den wunderbaren CAREFUL (1992), welcher ebenfalls viel mit Filtern und den Mitteln des Stummfilms experimentiert, und den Betrachter in delirierende Traumzustände versetzt.
Die Story von FRANKENSTEIN ist dabei eher der äußere Rahmen, welcher den Trip zusammenhält, und erzählt von dem jungen, brillianten Viktor Karlstein, welcher die Liebe seines Lebens verliert und schließlich ein biomechanisches Monster losschickt, Körperteile zu ihrer Erhaltung zu besorgen. Morde geschehen und der Alptraum nimmt seinen Lauf. Das klingt wie eine X- beliebige, trashige Home Video Produktion, mutiert aber dank der formalen Umsetzung und einer Fülle an bizarren Einfällen zu etwas wirklich völlig eigenem. Normale Kinogänger und Horrorfans, die eine Dusche Blut erwarten, sollten dann auch einen Bogen um den Film machen, FRANKENSTEIN ist eher eine künstlerische, experimentelle Erfahrung, als klassisches Erzählkino, Pulp meets Art!
Daher füllt der brilliante Elektronik Score von "The Greys" die visuellen Lücken schließlich auch perfekt aus. Oftmals fühlt man sich fast in ein seltsames Musikvideo einer Elektrocombo wie THE BOARDS OF CANADA versetzt, der Klangteppich ist für eine Produktion dieser Größenordnung wirklich außergewöhnlich!
FRANKENSTEINS BLOODY NIGHTMARE weckt in einem die Lust, die nächste Videokamera zu packen und loszufilmen! Wenn es doch so einfach wär? Aber eigentlich ist es das ja.....
Die amerikanische DVD von Unearthed Films präsentiert den Film schließlich in angemessener Bild- und Tonqualität, was bei den verschiedenen Filmformaten nicht unbedingt einfach ist. Es gibt einen informativen Audiokommentar und ein grüblerisches Interview, in dem John R. Hand unteranderem von seiner einsamen Kindheit und seiner Liebe zum Film erzählt, und diverse Trailer sowie eine Fotogalerie runden das Paket ab.
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