
OPEN SEASON-JAGDZEIT, USA/Spanien/UK/Argentinien 1974,
Regie: Peter Collinson
Ein junges Pärchen gerät in die Fänge dreier Jäger- nicht ahnend, daß SIE auf der Abschussliste der Soziopathen stehen!
Der Krieg in Vietnam. Studentenunruhen. Die Manson Morde. Das Attentat während der Münchener Olympiade. Die siebziger Jahre boten allerlei Stoff für düstere Film Thematiken, seien es der Einbruch von Gewalt in die Normalität (Wes Cravens LAST HOUSE ON THE LEFT, Sam Peckinpahs STRAW DOGS), Selbstjustiz (Michael Winners DEATH WISH, Don Siegels DIRTY HARRY), oder die Auswirkungen des Krieges (Michael Ciminos THE DEER HUNTER). Es gab kaum eine Zeit, in der die "Bestie Mensch" derart kritisch analysiert wurde.
OPEN SEASON vereint all diese Aspekte und vermengt sie zu einem packenden Ganzen. Im Gegensatz zu anderen Filmen des durch GRAF ZAROFF-GENIE DES BÖSEN begründeten Menschenjagd Genres (INSEL DER VERDAMMTEN, HARTE ZIELE) kommt Peter Collinsons Film psychologisch schlüssig daher und konfrontiert den Betrachter mit einer Gruppe Männer, die den Krieg nur scheinbar gut überstanden haben. So wie Vietnam unter der Oberfläche des stolzen amerikanischen Bewusstseins seine Narben hinterliess (nicht umsonst versuchte man in den Achtzigern, den Krieg im Kino dank RAMBO, MISSING IN ACTION und Konsorten immer wieder zu gewinnen), so sind auch diese Veteranen Opfer ihrer Ausbildung geworden, Killermaschinen im Outfit des Biedermanns. Und die exzellenten Darsteller, ein wahres "who is who" des Siebziger Jahre Kinos, angeführt von Easy Rider Peter Fonda und gefolgt von William Holden, Richard Lynch, John Philip Law und Helga Liné tragen den Hauptteil an der intensiven Stimmung dieses selten gezeigten Thrillers. Das wohl interessanteste Werk des mit 44 Jahren leider viel zu früh verstorbenen Collinson, welcher mit seiner Karriere beim Fernsehen begann und 1969 noch einen weiteren Kulthit des britischen Kinos inszenierte: THE ITALIAN JOB, mit Sir Michael Caine, später aufgebläht neu verfilmt mit Mark Wahlberg. Kein Kommentar.
Es sind keine Blutexzesse, sondern eher eine Atmosphäre der latenten Bedrohung und Gewalttätigkeit, die aus OPEN SEASON einen Nagelbeisser machen. Und auch heutzutage, in einer Zeit, in der lasche Waffengesetze und Vereinsamung des Individuums immer wieder zu Amokläufen führen und ein "zweites Vietnam" Präsidenten in den Wahnsinn treibt, hat der Film nichts von seiner subversiven Kraft eingebüsst.