
PLAGUE TOWN, USA 2008, Regie: David Gregory
Eine äussert angenehme Überraschung kam mir gestern zuteil: Die Sichtung von David Gregorys stimmungsvollem Schocker PLAGUE TOWN. Einige Stimmen der Fachpresse hatten sich ja bereits positiv über dieses Hinterwäldlerdrama geäussert, und ja, ich muß sagen, Gregory verfehlt seine Ziele nicht. In der Tat fühlt man sich an die irreale, alptraumartige Atmosphäre erinnert, welche nur die atmosphärischen Grusler vergangener Zeiten, sprich der siebziger und frühen achtziger Jahre, verströmten. Und das ist für einen günstig produzierten Wald- und Wiesenhorror durchaus eine Auszeichnung!
Die Story passt natürlich auf einen Bierdeckel: Eine junge amerikanische Familie (Vater, neue Ehefrau, verhaltensgestörte Gruftitochter, ihre Schwester, die Zicke, und deren neuer britischer Urlaubslover) macht sich, aus therapeutischen Gründen sozusagen, auf den Weg ins wilde, urwüchsige Europa, sprich: England, um dort zu kitten, was noch zu kitten ist. Das geht natürlich kräftig daneben und die Truppe strandet, den letzten Bus verpassend, im saftig-grünen Hinterland. Bereits in der Anfangssequenz wurde etabliert, daß dort nicht alles koscher abläuft, denn der Fluch des Blutes grassiert in dieser Gegend...
...und das Resultat sind Inzucht-geschädigte, WIRKLICH unheimlich aussehende Kinder und Teenager, welche eine ganz andere Auffassung vom Spielen haben, als Sackhüpfen oder Eierlaufen! Es kommt zu ersten Feindkontakten, in denen Dad die obere Häfte seines Kopfes einbüsst und Ma empfindlich von einer Radkappe geküsst wird! Regisseur Gregory inszeniert diese Gewalthappen gekonnt, des öfteren entfuhr mir ein "Uhhhhh" ob der realistischen "Nachfühlbarkeit"- hier sind keine übernatürlichen Monster am Werke und eine zerfetzte Wange kann man sich eher vorstellen als ein Monstertentakel im Hirn! Aber PLAGUE TOWN ist nicht nur hohler Splatter. Atmosphäre ist hier alles, die gute Kamera und eine unheimliche Geräuschkulisse aus Stöhnen und Kichern im dunklen Tann sorgen für die wahrhaft unheimlichen Momente. Ganz zu schweigen von den Kindern, deren verstörendes, nicht allzu abgehobenes, Make Up wirklich gelungen ist!
Sieht man mal von den nicht gerade grandiosen, eher zweckmäßigen, darstellerischen Leistungen und der simplen Story mal ab, bekommt der geneigte Fan hier einen der feinsten Independent Schocker der letzten Zeit geboten- all jenen, die gelangweilt sind von Emo Vampiren, Folterknechten und Slasher Dumpfbacken, sei dieses Kleinod wärmstens empfohlen!