MOON, GB/USA 2008, Regie: Duncan Jones

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Der alte Feind, die Einsamkeit. Schon viele Filme setzten sich mit den zermürbenden Folgen langer Isolation von der Aussenwelt auseinander- aber nur sehr wenige so gekonnt wie Duncan Jones Erstling MOON.

Sam Rockwell spielt den Weltraum Malocher Sam Bell, welcher bereits seit drei Jahren auf dem Mond festsitzt, um die Förderung eines wichtigen Minerals zu überwachen. Sein einziger Gefährte ist Roboter Gerty (im Original von Kevin Spacey gesprochen) welcher seine Empfindungen durch Emotikon Gesichter ausdrückt. Der Zahn der Zeit hat schon übel an Sams Psyche genagt, er führt Selbstgespräche, bastelt seit Ewigkeiten an einem Modell seiner Heimatstadt herum und zeigt alle Zeichen eines nahenden Hüttenkollers. Der Mann will nach Hause, zu hübscher Frau und Kind! Aber niemand erhört ihn. Immer wieder erscheint ihm das Bild eines hübschen Mädchens, was schließlich zu einer fatalen Kollision mit einer Erntemaschine führt. Doch er wird gerettet. Und als er später auf der Krankenstation von Gerty geweckt wird, und sich erneut auf den Weg zur Unfallstelle macht, findet er einen bewusstlosen Fahrer in dem Mondvehikel. Sich selbst. Seinen Klon.



Dieser erste größere Twist des Films kommt nicht allzu überraschend daher, aber im Gegensatz zu einem M. Night Shyamalan, welcher einen ganzen Film nur darauf hinarbeiten lassen würde, nutzt Regisseur Jones diese Idee nur als Ausgangsbasis für sein packendes Science Fiction Drama.
Betrachtet man den Film, kommt einem öfter Douglas Trumbulls Hippie Science Fiction Klassiker LAUTLOS IM WELTALL in den Sinn. War es damals Bruce Dern, welcher eine innige Beziehung zu drei kleinen Robotern führte und der Einsamkeit der Sterne trotzte, so stellt auch Sam Rockwell hier einen typischen "working man" des Weltraums dar. Er ist im Grunde ein Farmer, der Tag ein, Tag aus seinem Job nachgeht. Allein. Größter Feind: Die Langeweile. Der Film nutzt diese Ausgangsposition für einige interessante philosophische und psychologische Betrachtungen, ohne den Spannungsaspekt aus den Augen zu verlieren.

Ein cleveres, realistisch anmutendes Design trägt sehr dazu bei:
Sams Welt ist weit von den sauber-sterilen Räumlichkeiten des STAR TREK Universums entfernt. Eher kommen einem die realistisch anmutenden, von Gebrauchsspuren übersäten, Innenräume von ALIEN oder OUTLAND in den Sinn: Seine Wohnecke ist mit Fotos von daheim übersät, Gerty ist mit Post Its und Kaffeespritzern übersät...es gibt nicht viele Sets, aber diese sind mit großer Liebe zum Detail gestaltet und leben förmlich. Die Raumstation und Gerty, der Roboter, sind ebenfalls eigenständige Charaktere und lenken den Zuschauer erfolgreich davon ab, sich neunzig Minuten nur auf den Hauptdarsteller zu konzentrieren. Inspiriert war man dabei vom sozialkritischen, realistisch gehaltenen Look des Science Fiction Kinos der siebziger Jahre: Vom Styling der Räumlichkeiten bis hin zu den diversen Grafiken glaubt man fast, einen verloren gegangenen Mini-Klassiker des Genres vor sich zu haben.

Sam Rockwell, ein sehr vielfältiger Schauspieler, welcher sowohl im Mainstream (demnächst: IRON MAN 2!) als auch im Independent Bereich unterwegs (CHOKE) ist, liefert hier wohl die beste Darstellung seiner Karriere ab- die schwierige Aufgabe, "Zwillinge" darzustellen, bewältigt er mit Bravour und schafft es, zwei sehr unterschiedliche Individuen zu etablieren. Und knüpft damit locker an Jeremy Irons Doppelrolle in Cronenbergs Meisterwerk DIE UNZERTRENNLICHEN an! Da es sich fast gänzlich um ein Ein-Personen Stück handelt, trägt er die Last des gesamten Filmes auf seinen Schultern und schafft es, den Betrachter bei Interesse zu halten. Unterstützt von einer straffen Regie, die an dem Film kein Gramm Leerlauf zuviel lässt.

MOON ist einer der homogensten und in seiner Aussage schönsten Science Fiction Filme der letzten Jahre. Ein packendes Ein-Mann Drama auf dem Erdtrabanten.