Eine der visuell schönsten Titelsequenzen dieses jungen Jahres verwöhnt das Auge des Betrachters. Wir gleiten durch Organe und Gefäße, die Namen der Mitwirkenden werden durch Adern dargestellt, gefällt mir sehr gut, bekannte Namen huschen über die Leinwand, Adrien Brody (DER PIANIST) und Sarah Polley (DAWN OF THE DEAD, DAS SÜSSE JENSEITS), Martin Hewitt (in jedem Natali Film dabei), Kameramann Tetsuo Nagata (LA VIE EN ROSE, NARCO), KNB Make Up Effekte, visuelle Effekte von C.O.R.E., zudem produziert von Guillermo Del Torro und natürlich unter der Regie von Vincenzo Natali (welcher uns bereits die interessanten CUBE, CYPHER und NOTHING schenkte)... das klingt doch nach einer runden Sache!Dennoch gehen die Meinungen am Ende sehr auseinander. In der Tat beschreitet der Film dann doch eine andere Richtung, als ich eigentlich erwartet hatte.
Die erste Hälfte überzeugt völlig: Clive und Elsa, ihres Zeichens Wirtschafts-Genetiker, gelingt es tatsächlich, neues Leben zu erschaffen. Das es sich um Nacktschnecken-artige, amorphe Fleischklumpen handelt, ist dabei nicht von Belang, der erste große Schritt ist getan - welchem die labile Elsa direkt einen Zweiten folgen lassen will und in einem Moment des Wahns ihr eigenes Blut mit der neuen Genmasse vermischt. Bevor man sagen kann: "Cronenberg ick hör' dir trappsen!" kommt ein neues Mischwesen dank künstlicher, externer Fruchtblase zur Welt (übrigens eine der packendsten Szenen des Films). Halb Hase, halb Huhn, sieht dieses Wesen zunächst sehr skurril aus, durchläuft dann aber einige interessante Metamorphosen, um zu einem gar nicht mal so unattraktiven, weiblichen Humanoiden heran zu wachsen.
Großartig! SCIENCE Fiction, wie sie sein soll, verrückte Wissenschaftler, entgleisende Experimente, interessante Ideen, Kreaturen! Und das alles im David Cronenberg Look (Natali ist ein Fan, das ist kein Geheimnis)! Von mir aus könnte es immer so weiter gehen - aber es kommt halt anders. Nicht unbedingt schlechter, aber anders.
Während zunächst Elsa Muttergefühle für das Geschöpf entwickelt, wendet es sich später zusehends Clive zu und der Film mutiert zu einer Art "Gen-Unfall Ménage à trois", mit allem, was dazu gehört: Sex, Liebe, Eifersucht, und, äh, Mord. Für den durchschnittlichen Blutlecker ist das natürlich ein herber Schlag ins Gesicht. Der Film wirkt fast wie ein französisches Beziehungsdrama mit zum Ende hin wieder hoch schraubendem Horror Einschlag, ziemlich skurril, teilweise auch nervig, aber meiner Meinung nach mit einigen faszinierenden Momenten - die Mutation des Wesens ist schließlich längst noch nicht abgeschlossen! Zuviel zu verraten wäre hier fehl am Platze, ein paar gemeine Überraschungen hat SPLICE nämlich durchaus noch zu bieten.
Mit Natalis Film verhält es sich so ein bißchen wie mit Ang Lees HULK Verfilmung: Weit davon entfernt, perfekt zu sein, ist es dennoch ein exotisches Vergnügen, eine etwas seltsame Mischung aus ernsthaftem Drama und Schauwert-bedienendem Genrefilm. Aber das ist in den Zeiten von TRANSFORMERS durchaus etwas besonderes!