The Objective, USA 2008, Regie: Daniel Myrick

Der Irak Krieg hat die Fantasie der Menschen schon immer angekurbelt, zu groß ist die Anzahl an wilden Verschwörungstheorien, zu undurchdringlich die Geheimnisse der kargen Landschaft. Eigentlich wie geschaffen für das Horrorgenre. Kriegsfilme mit Horror- oder Science Fiction Verquickung gibt es ja so einige (der japanische Kulthit TIME SLIP, der ätzend patriotische DER LETZTE COUNTDOWN, Michael Manns faszinierender DIE UNHEIMLICHE MACHT (THE KEEP), der atmosphärische zweite Weltkriegs-Geisterfilm THE BUNKER, die Trashgranate OUTPOST, oder aber (nur von der Atmosphäre her ziemlich horrend) Jeff Burrs STRAIGHT INTO DARKNESS). Daniel Myricks Film ist jedoch der Erste dieser Art über den Irak.

Man sollte darauf eingehen, daß es sich bei Herrn Myrick um einen der beiden Köpfe handelt, die damals mit THE BLAIR WITCH PROJECT (1999) B- Movie Geschichte schrieben und nebenbei dank massiver Internetnutzung eine der ersten breitgefächerten Viralmarketing Kampagnen aus dem Boden stampften. Die ersten beiden Plätze des erfolgreichsten Films aller Zeiten werden zwar vom "König der Welt" James Cameron belegt, in Sachen Preis/Leistungsverhältnis läuft ihm das PROJECT bis heute bei 22.000 Dollar Produktionskosten und 240,5 Millionen Einspiel gewaltig den Rang ab!
Dennoch ist es um die beiden Macher relativ still geworden, Myrick produziert weiterhin niedrig budgetierte, nicht weiter erwähnenswerte Horrorfilmchen, während sein damaliger Partner Eduardo Sánchez zumindest 2006 mit der günstigen, aber effektiven Monsterhatz VERGELTUNG (ALTERED) punkten konnte.



THE OBJECTIVE schließlich kommt als eine angenehme Überraschung daher. Geschickt verbindet Myrick hier Elemente aus BLAIR WITCH mit AKTE X und dem "in die Fresse" Look des modernen Kriegsfilms:

Ein Team von Spezialisten unter Leitung des CIA Agenten Benjamin Keynes (sehr gut: Jonas Ball) ist auf einer Mission in Afghanistan um den religiösen Führer Mohammed Aban ausfindig zu machen. Mit Hilfe eines einheimischen Führers (Chems-Eddine Zinoune) macht sich das Team auf den Weg ins Gebirge, muß aber schon bald feststellen, daß neben den menschlichen Gegnern noch eine andere, unheimliche Macht ihre Finger im Spiel hat...eigenartige Geräusche in der Nacht, vermeintliche Autoscheinwerfer, die sich plötzlich in die Luft erheben, seltsame Lichter, Söldner, die einfach in Atome zerbersten und ein Blick durchs Nachtsichtgerät welcher Dinge offenbart, die sonst nicht sichtbar wären, Myrink steigert die Spannung mit recht einfachen Mitteln (man bedenke: wir begleiten hier nur eine handvoll Männer in ihrem Jeep, daß ist nicht BLACK HAWK DOWN) kontinuierlich und...okay, okay, genannte Beispiele hat man so auch schon anderswo gesehen, aber die trockene Wüstenatmosphäre stimmt und die ständige Aura einer überirdischen Präsenz wird schön aufrecht erhalten. Und das ohne Gefolter oder unnötiges Blutvergiessen, eher handelt es sich um einen Geisterhaus-Film. In der Wüste! Ein weiterer Pluspunkt sind die guten Schauspielerleistungen, diese Soldaten wirken authentisch, auch ohne große Testosteronspritzereien. Und der einheimische Abdul stellt eine gute Metapher für die gescholtene, Kriegs-müde Bevölkerung des Landes dar.

Das Ende präsentiert sich dann ebenfalls hübsch mysteriös und ich muß sagen, dieser Mix aus religiösen Motiven, Terrorismus Paranoia und dem Übersinnlichen hat mir gut gefallen! Aber ich liebe ja Wüstenfilme. Dschungelfilme. Schneefilme. Und Nebelfilme erst recht!