Kennt man das? Irgendwie schon: Man hat es sich mit der Freundin gerade zuhause gemütlich gemacht, wartet womöglich auf den Pizzamann, draußen geht eine steife Brise, die Flammen der Kerzchen hüpfen fröhlich vor sich hin, und man freut sich einfach, daß es so etwas Tolles wie Feierabend gibt. Doch dann klingelt es. Der Pizzamann? Mitnichten. Es ist ein alter Kumpel. Zudem mit leicht verstörtem "Ich würde mich gerne mal bei dir ausheulen" Gesichtsausdruck...
David packt aber erstmal nicht so richtig seine Probleme aus, sondern sucht nur Unterschlupf. Doch in der Nacht, in der Dunkelheit, schreckt er auf. Hört Geräusche. Schleicht in der Wohnung umher...denn David O'Reilly wird von Dämonen verfolgt! Nicht jene von der inneren Art, sondern eher fiese, langsam herankriechende Francis Bacon'sche Fleischgebilde, welche man in der Regel aus dem Augenwinkel wahrnimmt. Noch.
Er schluckt Pillen. Er wird immer hysterischer. Er könnte auch wahnsinnig sein! Alex und Kate sind überfordert, sagt er die Wahrheit? Und was ist das für eine Geschichte über seine Freundin, daß sie ihn betrügt? Die Attacken häufen sich und irgendwann müssen auch die beiden eingestehen, daß eine gewisse Verschiebung der Realität stattgefunden hat...die Wohnung wird immer enger und nach einer verzweifelten Séance bricht die Hölle erst richtig los.
Übrigens eine der besten Szenen des Films. Ohne viel Trara! Gerade die Einfachheit der Mittel, das Simple, ist die Stärke von THE TORMENT. Der ganze Film ist, natürlich auch Budget-bedingt, aufs Einfachste reduziert und würde ebenso gut ein vortreffliches Theaterstück à la THE WOMAN IN BLACK abgeben. Drei Personen, ein Set, eine überschaubare Anzahl an Effekten, fertig ist der effektive kleine Paranoia Grusler! Getragen von den guten Darstellern, allen voran Giles Alderson als David, welcher den Spagat zwischen sympathischem Brit Boy und Pillenschmeissendem Wahnsinnigen hervorragend bewältigt, und unterstützt von einer fast dokumentarischen Kamera, welche man schon als eigenständigen Charakter bezeichnen kann, gelingen den Regisseuren Andrew Cull und Steve Isles einige hübsch haarsträubende Momente- ohne in alberne Geisterbahn -Effekte oder übertriebenes Blutgesuhle zu verfallen. Hier ist es gerade der reale Faktor, die Infektion zweier Ahnungsloser mit Panik, hereingetragen von einem Aussenstehenden, welche aus dem Film etwas Überdurchschnittliches machen. Aber auch Monsterfreunde werden gegen Ende etwas auf ihre Kosten kommen.
Bedauerlicherweise ging THE TORMENT im Werbehype um den weit weniger komplexen PARANORMAL ACTIVITY, einem eigentlich eher bescheidenen Homevideo mit leidlich guten Darstellern, den bereits angesprochenen Geisterbahn - Effekten, und einem gewaltigen Werbebudget, völlig unter. Zudem wurde das britische Kammerspiel in den USA, um mal eben auf den Shockumentary/Exorzismus Zug aufzuspringen, unter dem Titel THE POSSESSION OF DAVID O' REILLY vermarktet, obwohl der Film vom üblichen Exorzisten-Mummenschanz meilenweit entfernt ist. Und ab in die hinterste Videothekenecke damit!
Ich spreche jedenfalls eine Empfehlung aus. Besonders jetzt, für die kalte Jahreszeit.
Wenn draussen der Wind heult und drinnen die Kerzenflammen hüpfen.
When in London, check out:
